Loccumer Orgelbüchlein

Umbau der Orgel 1853 und erneute Renovierung 1930

von Ludolf Ulrich

In den Jahren 1848 bis 1854 nahm der Architekt Conrad Wilhelm Hase aus Hannover eine große Renovierung der Loccumer Stiftskirche vor. Im Rahmen dieser umfassenden Erneuerung wurde auch die Orgel umgebaut. Hase errichtete im Westteil der Stiftskirche eine neue Orgelempore aus Sandstein im neoromanischen Stil mit drei offenen Bögen zum Mittelschiff hin. Zur Orgel empor führte eine Wendeltreppe aus Eichenholz. Der hannoversche „Hoforgelbaumeister“ Eduard Meyer setzte in Zusammenarbeit mit Hase die Orgel in ein neugotisches Gehäuse. Auch dieses Gehäuse hatte Hase entworfen. Es bestand aus einem prächtigen Schnitzwerk. In diesem Schnitzwerk rechts und links des Orgelprospekts sind zwei Gemälde zu erkennen mit der Darstellung biblischer Gestalten.

Die Orgel auf der halbhohen Empore bildete so ein repräsentatives Gegenüber zum Chor mit dem alten Chorgestühl und Sakramentshaus und dem vom Bildhauer Ernst von Bandel und dem Maler Carl Oesterley gestalteten Altar. Empore und Orgel verdeckten jetzt das große gotische Westfenster der Kirche fast vollständig. Bei der Renovierung der Orgel blieben die alten Bälge und Register weitgehend erhalten. Aus der Orgel wurden aber vier „barocke“ Register herausgenommen, zum alten Klangwerk traten elf neue Register hinzu. Die Orgel wurde von zwei auf drei Manuale erweitert, sämtliche Register einen Halbton tiefer gestimmt und außerdem ein Registerschweller eingebaut. Aus der alten barock klingenden wurde durch den Umbau eine romantische Orgel.

Über den Umbau der Orgel und ihre Erneuerung 1853 schreibt Jahre später (am 27.1.1927) der Konventual-Studiendirektor Philipp Meyer an das Landeskirchenamt in Hannover Folgendes:

„Anläßlich der Ausfüllung des vom Landeskirchenamt versandten Fragebogens (über den Zustand der Orgel) ist festgestellt worden, dass die Orgel in unserer Stiftskirche ihre heutige Gestalt im Jahre 1853 erhalten hat. Das Gehäuse stammt ganz aus diesem Jahre, ebenso elf der 32 Register. 21 der Register sind dagegen im Wesentlichen aus der früheren im Jahre 1599 erbauten und 1756 um einige Register vermehrten Orgel übernommen.“ (Archiv Kloster Loccum)

Erstaunlich an diesem Bericht ist, dass die Disposition der alten von de Mare erbauten und von Zuberbier erneuerten Orgel trotz erheblicher Eingriffe auch nach über 300 Jahren noch erkennbar war. Im Jahre 1930 brauchte die Orgel dringend wieder eine Reparatur. Der Konvent erteilte daher der in Hannover ansässigen Orgelbaufirma P. Furtwängler & Hammer den Auftrag, die alte Orgel zu überholen – was auch geschah. Pneumatik und Orgelmotor wurden damals neu eingebaut, das Bild der Orgel aber blieb erhalten.

Im Sommer des Jahres 1947 erlebte das Kloster dann das dramatische Ende der dritten Loccumer Orgel: Im August dieses Sommers litt alles unter einer großen Hitzewelle und Trockenheit. Der Organist hatte abends nach dem Orgelspiel wohl vergessen, den Orgelmotor abzuschalten. Der heiß gelaufene Motor scheint die Ursache für die Katastrophe gewesen zu sein: In der Nacht zum 4. August 1947 zündete ein Feuer, das die Orgel vollständig zerstörte. Fast wäre auch die Klosterkirche ein Opfer der Flammen geworden. Die Feuerwehren aus Loccum und benachbarten Dörfern konnten das gerade noch verhindern.