Loccumer Orgelbüchlein

Die große Restaurierung der de-Mare-Orgel 1756

von Ludolf Ulrich

Nach 157 Jahren war die Ende des 16. Jahrhunderts von dem Niederländer de Mare gebaute Loccumer Orgel überholungsbedürftig. Abt Georg Ebell (1732-1770) verpflichtete daher den „Orgel- und Instrumentenmacher“ Johann Andreas Zuberbier, der im Umfeld von Hannover schon eine ganze Reihe neuer Orgeln gebaut hatte und als bewährter Mann seines Fachs galt, die Loccumer Orgel zu erneuern. Diese Renovierung nahm Zuberbier im Jahr 1756 vor. Darüber verfasste er mehrere Berichte für den Abt Georg Ebell. Aus ihnen geht hervor, dass Zuberbier die de-Mare-Orgel umfassend erneuert hat. Wir wollen ihn hier selbst zu Wort kommen lassen. Sein Fazit nach der Restaurierung lautet:

„Nunmehr aber steht fest, dass Wind für 28 klingende Stimmen (ausreicht), wobei von der alten Orgel nur sechs Stimmen gebraucht werden konnten, 22 aber von gutem Metall ganz neu gemacht sind nebst einer neu angebrachten Koppel und neuen Tremulanten, von der gan­zen alten Registratur habe ich nichts gebrauchen können, sondern es ist alles ganz neu gemacht, fünf Stück neue Windladen, zwei neue Manuale (Clawire), neue Kanäle oder Windleitungen, eine ganz neue Traktur (Abstraktur), neue Registratur, die beiden Bälge ganz neu ….“

„… in Summa: es ist nichts von der alten Orgel behalten als sechs Stimmwerke und das alte Gehäuse. Das andere ist alles Stück für Stück ganz neu…“ (Archiv Kloster Loccum)

Die von Zuberbier erneuerte Orgel besaß also nach der Renovierung 28 Register, sechs davon stammen aus dem alten Bestand der de-Mare-Orgel, fünf Register werden von Zuberbier ganz neu entworfen und in die alte Orgel eingebaut (Mixtur 4-fach, Trompete 8‘ im Manual, Oktave 4‘ und Waldflöte 2‘ im Rückpositiv, Trompete 8‘ im Pedal).

17 Register werden zwar rundum erneuert, aber Zuberbier hält sich weitgehend an die Disposition und das Konzept der Orgel von Andreas de Mare. Das ist beachtenswert. Man kann darin eine Referenz gegenüber dem alten Meister sehen. Im Ganzen muss man festhalten, Zuberbier hat die alte Orgel, die nun schon über 150 Jahre im Betrieb war, grundlegend restauriert.