Loccumer Orgelbüchlein

Die neue Orgel von Paul Ott, erbaut 1956

 von Ludolf Ulrich

Schon bald nach dem Brand gab es im Konvent des Klosters erste Pläne für den Bau einer neuen Orgel. Doch noch fehlte das Geld und das Material. Erst 1955/56 schuf die Firma Paul Ott aus Göttingen ein neues Orgelwerk für die Stiftskirche mit 40 klingenden Registern, auf drei Manualen bespielbar. Die Orgel wurde von Ott in zwei Abschnitten erbaut: 1956 entstanden Hauptwerk, Brustwerk und Pedal, 1963 wurde das Rückpositiv ergänzt und einige Register traten noch hinzu. Rechtzeitig zur 800-Jahr-Feier des Klosters im Sommer 1963 war die Orgel dann komplett. Ott errichtete die neue Orgel in halber Höhe an der Ostwand des nördlichen Querschiffs und rückte sie damit wieder nahe an die Gemeinde und den Altarraum heran. Das Orgelgehäuse im Stil der 1950er Jahre entwarf der Architekt und Loccumer Klosterbaumeister Jan Prendel.

Paul Ott war einer der ersten, der die Gedanken der „Liturgischen Bewegung“ um Christhard Mahrenholz (und andere) in den Orgelbau umsetzte. Vorbild wurden für ihn die Barockorgeln im norddeutschen Raum mit ihrer großen Tradition. Das bedeutete eine radikale Abkehr von der Romantik. Ott übernahm das Klangideal (helle Register) und die Technik (mechanischer Schleifladen) der Barockorgeln konsequent in seine Orgelwerke. Das galt auch für die Loccumer Orgel von 1956. Mit der neuen Orgel wurde zugleich eine Empore an die Nordwand des nördlichen Querschiffs gesetzt, die den Blick auf die alte Totenpforte und das daneben liegende Fenster versperrte.