Loccumer Orgelbüchlein

Unsere neue Seifert-Orgel

Das war ein aufregender Weg bis zu dieser neuen Orgel in der Stiftskirche des Klosters Loccum.

Kaum jemand wusste, dass es schon drei beachtliche Orgeln seit dem 15. Jahrhundert gegeben hatte. Ludolf Ulrich berichtet darüber in diesem Heft. Die bisherige Ott-Orgel war dringend reparaturbedürftig. Schandhaft teuer wäre es geworden und doch eine Ott-Orgel geblieben. Mendelssohn und Neueres konnte man nur mäßig darauf spielen. Da haben wir im Konvent des Klosters nach langem Hin und Her gesagt: Wenn eine neue Orgel auch etwas mehr als doppelt so viel kostet (940.000 Euro sind es schließlich geworden), wir nehmen das auf die Hörner. Wir wollen das, und wir gehen mit einem großen Klingelbeutel durch die Lande. Vorher aber suchen wir uns die möglichst beste neue Orgel aus.


Erstaunlich, es ist gelungen.

Orgelbesichtigungsfahrten. Die Chororgel im Dom zu Speyer, eine Seifert-Orgel aus Kevelaer, hat uns schließlich überzeugt. Die Zeitspanne war knapp. Geld war kaum vorhanden. Als Architekt wurde Herr von Mansberg aus Lüne­burg gewonnen. Bei unserem Bauleiter Dipl.-Ing. Anastasiou lief alles zusammen. Wider vieler Erwartung gelang es. Bei der Einweihung der erneuerten Stiftskirche am 1. Advent 2012 steht der Orgelkörper und die ersten fünf Register klingen nicht schlecht. Seither ist unentwegt gebaut, intoniert worden. Herr Peters als Orgelbaumeister und Herr Fischer als leitender Intonateur und viele andere, haben oft bis in die Nacht gearbeitet.

Und die Sponsoren, kleine und große, mussten gewonnen werden. Orgelpaten wurden gefunden. Erstaunlich, es ist gelungen. Uns fehlen noch 30.000 Euro. Dann ist es geschafft. Denen, die uns Geld gaben, manche kleine Beträge, manche sehr hohe, sind wir sehr, sehr dankbar.


Eingebaut: Der Klang der Renaissance

In Speyer sah ich ein paar sonderbare Registerzüge. Was ist das? Ach das ist etwas Ungewöhnliches. Wir haben eine kleine Mitteltonorgel eingebaut. Renaissance. Hat einen wunderbar reinen Klang. Kostet? 81.000 Euro extra. Die sammle ich, war mir klar. Nun ist sie eingebaut, und es klingt, wie die ganze Orgel, wunderbar. Wir nennen sie in Loccum Spanische Orgel.

So viel Arbeit, Mühe und Geld für solch ein gewaltiges hochkompliziertes Musikinstrument? Hätte unsere kleine Orgel nicht auch gereicht? Nicht ganz. Die Stiftskirche ist groß. Nun kann man jede Tonvariante in der hintersten Ecke so gut wie vorne hören. Ein hoher Wert. Und was diese neue Orgel alles kann, wenn der Organist was kann, es ist kaum zu glauben.


"Hau ab, dämlicher Teufel"

Martin Luther schreibt im Oktober 1530 in einem Brief an Ludwig Senfl in München, dem berühmten Musiker und Komponisten: „Es gibt nach der Theologie keine Kunst, die der Musik gleichzustellen wäre, weil sie allein das schenkt, was sonst nur die Theologie schenkt: ein ruhiges und fröhliches Herz.“ Und an Mat­thias Weller, den Depressionen plagen, schreibt er 1534: „Kommt der Teufel und gibt euch finstere Gedanken ein, so wehrt euch frisch: ‚Hau ab, dämlicher Teufel, ich muss jetzt meinem Herrn Christus ein Lied spielen, nehmt euer Regal, eure kleine Orgel, und spielt ein ‚te deum laudamus, Herr Gott dich loben wir’ darauf.“

Die Orgelmusik, die Lieder als Ausdruck des Gottvertrauens auf Jesus Christus, das erst macht uns wirklich fröhlich und frei.


Horst Hirschler, Abt zu Loccum