Loccumer Orgelbüchlein

Ein kleines Glossar der Register und einiger Fachbegriffe

von Michael Merkel

Die verschiedenen Orgelregister und deren Bezeichnung haben sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt. Organistinnen und Organisten haben anhand der Registernamen eine gewisse Klangvorstellung und können sich so auch auf einem fremden Instrument recht schnell zurechtfinden.

Die Registerfamilien

 

Prinzipale     Das Hauptregister der Orgel, das klangliche Rückgrat. Und das Register, dessen Pfeifen die/der Betrachter(in) zumeist von außen sieht. Auch die Register mit dem Wortbestandteil „Oktav“ sind Prinzipale, allerdings kleiner und nicht von außen sichtbar. Die Prinzipale klingen kräftig und je nach Intonation leicht streichend.
Register: 1,2,6,11,14,15,(25),33,35

 

Flöten          Alle Register mit dem Wortbestandteil „Flöte“ sind weit gebaut mit einem schmalen Labium. Dies ergibt eine sanfte Ansprache und einen weichen und runden Klang.Register: 3,7,8,9,10,12,13,19,23,24,26

 

Gedackte     Flöten mit „Deckel“. Dadurch ist eine kleinere Bauweise möglich, der Klang ist dadurch evtl. etwas zurückhaltender. Register: 5,18,30,32

 

Streicher      Alle Register, die im Namen an ein Streichinstrument erinnern, gehören hierzu. Obertonreicher, wenig grundtöniger Klang. Die Bauform ist im Verhältnis zur Länge „dünn“. Register: 4,20,21,22,31,35

 

Zungen        Zungenregister funktionieren ganz anders als die bisher genannten. Sie sind technisch vergleichbar mit den Instrumenten Harmonium, Akkordeon, Mundharmonika („durchschlagende Zungen“) oder der Klarinette („aufschlagende Zungen“), klanglich vergleichbar mit alten Rohrblattinstrumenten wie Krummhorn und Dulcian.
Register: 16,17,27,28,29,36,37

Beschreibung einzelner Register

 

Großgedackt    Oben geschlossene (= „gedackte“) Pfeifen, in diesem Falle groß im Klang, sehr rund und voll klingend.

 

Jubalflöte         Flötenregister, der Klang erinnert an eine überblasende Flöte, das Labium geht, im Gegensatz zu anderen Flöten, nach innen.

 

Mixtur, Scharff  Pro Taste erklingen mehrere Pfeifen des Registers (= eine Mischung, Mixtur). Sie geben der Orgel die Klangkrone. Strahlend bis scharf (sic!) klingend.

 

Nasat, Quinte    Register, die nicht im Oktavverhältnis zu den restlichen Stimmen stehen, sondern im Quintverhältnis. Sie verstärken den Oberton der Quinte und färben den Orgelklang dadurch. Sogenannte Aliquot-Register.

 

Progressio       Eine Mixtur des romantischen Orgelbaus. Im Klang weicher als „Mixtur“.

 

Salicional         Übersetzt „Weidenpfeife“. Salix (lat.) ist die Weide. Ein Streichregister.

 

Terz                  Analog zur Quinte.

 

Tremulant         Bewegt den Orgelwind und erzeugt dadurch ein Vibrato.

 

Viola da Gamba           Streicher. Die Gambe ist ein historisches Streichinstrument, vergleichbar dem Cello, aber viel silbriger im Klang. Das Orgelregister ahmt diesen Klang nach.

 

Vox Coelestis   Übersetzt „Himmelsstimme“. Ein Streichregister, dass absichtlich leicht verstimmt ist, und so eine „Schwebung“ erzeugt.

 

Vox humana     Übersetzt „Menschliche Stimme“. Versucht, durch ihren Klang eine auf einem Vokal (z.B. „a“ oder „o“) singende menschliche Stimme nachzuahmen.

 

Zimbelstern      Ein Registerzug, hinter dem sich keine Pfeifen verbergen, sondern kleine Glöckchen, die nacheinander ertönen. Lässt die Orgel „glitzern“.

Orgelfachbegriffe

 

Fuß                       Längenmaß im Orgelbau, das bei den Registerbezeichnungen verwendet wird. Abgekürzt durch den Apostroph nach einer Zahl. z.B. 8‘ (= Acht Fuß). Aus der Fußzahl erschließt der Organist die Tonhöhe des Registers. 8‘ ist die Normallage (Äquallage). 4‘ ist eine Oktave höher als normal, 2‘ noch eine Oktave höher.

 

Geteilte Schleife    Auf ein und demselben Manual kann, hier getrennt zwischen c1 und cis1, mit verschiedenen Registern gespielt werden.

 

Gruppenzug          Ein Hilfszug. In dieser Orgel ist das Cornett als Gruppenzug ausgelegt. Mit diesem Registerzug aktiviert der Organist/die Organistin gleichzeitig fünf Register, die zusammen das „Cornett“ ergeben, eine Registermischung, die die Terz enthält.

 

Koppeln                Koppeln verbinden die Werke untereinander, so das auf einem Manual (oder im Pedal) auch die Register der anderen Manuale verwendet werden können, z. B. „III an I“ oder „II an P“.

 

Kurze Oktave         In der unteren Oktave sind Halbtöne, die in früheren Zeiten noch nicht benötigt wurden, nicht vorhanden.

 

mitteltönig             Eine alte Stimmung, wie sie zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert im Orgelbau üblich war. Tonarten mit wenigen Vorzeichen klingen besonders rein – zu Lasten von Tonarten mit vielen Vorzeichen. Die Musik klingt besonders farbig.

 

Schwellwerk          Die zu einem der Manuale gehörenden Pfeifen stehen in einem rundum geschlossenen Gehäuse, dessen Jalousiewände über einen Fußtritt im Spieltisch durch den Organisten geöffnet werden können, wodurch ein stufenloses An- und Abschwellen der Lautstärke möglich ist.

 

Transmission         Transmissionen ermöglichen die Verwendung von Registern in anderen Manualen oder im Pedal, ohne, dass man dafür eine Koppel ziehen muss. Teure Register können so mehrfach verwendet werden.